Sonntag, 8. November 2009, 9:12

“Wir sind wie wir sind und wie seid ihr?”

Präsentation des Filmes „Zweiter Anlauf: Junge Juden in Sachsen-Anhalt“ im Jüdischen Museum Berlin mit anschießender Diskussion mit der Projektleiterin Franziska Schramm und den Darstellern.

Die Jacke auf das Laufband zur Durchleuchtung. Den Inhalt der Hosentaschen in den Korb. Anschließend darf ich durch die Sicherheitsschleuse.

Hier im jüdischen Museum findet die Präsentation des Filmes „Zweiter Anlauf: Junge Juden in Sachsen-Anhalt“ statt. Es ist ein Projekt des Bildungsnetzwerks Magdeburg gGmbH, das mit Förderung der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt und des Landesverwaltungsamtes Sachsen-Anhalt realisiert wurde.

Damit alle einen Platz haben, müssen weitere Stühle in das Auditorium getragen werden.

Mit etwas Verspätung beginnt der Film.

Die acht jugendlichen Hauptprotagonisten, die als sogenannte Kontingentflüchtlinge aus den Teilstaaten der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland eingewandert sind, erzählen über ihre Migrationserfahrung. Dabei interviewen und filmen sie sich gegenseitig. In den 10 Tagen, die sie Zeit dafür hatten, entstehen auch Straßenumfragen. „Wie viele Ausländer hat Sachsen Anhalt?“ beantworten die meisten Magdeburger mit „20%“. Auf die Frage „Sind Ausländer eine Last für Deutschland?“, antworten einige: „Solang sie arbeiten, nicht.“ oder „Sie müssen sich anpassen.“

Gegen Ende des Filmes wird ein jüdisches Gemeindefest dokumentiert, bei dem die Jugendlichen Halt finden.

Der Film endet mit dem Satz: „Wir sind wie wir sind und wie seid ihr?“

Im anschließenden Gespräch mit Projektleiterin Franziska Schramm sage ich ihr, dass ich die Darstellung Deutscher Freunde von den Jugendlichen im Film vermisse. Der Film erwecke den Eindruck, dass die jungen Juden überwiegend schlechte Erfahrungen mit Deutschen machen würden. Ich frage sie, ob das beabsichtigt wäre und das den Erfahrungen der Darsteller entspricht.

Das hätte allein in den Händen der Jugendlichen gelegen sagt die Projektleiterin. Sie hätten den Inhalt bestimmt.

Als ich die Jugendlichen frage, wie es kommt, dass im Film kaum positive Erfahrungen mit Deutschen darstellt, antworten sie, sie hätten ihre Freunde nicht filmen können, weil sie für den Film nach Magdeburg in ein Hotel reisen mussten. Ansonsten hätten sie es gerne gemacht, denn sie haben fast nur Deutsche Freunde.